Über den Amateurfunk

Comic: Must have something to do with wireless technology…

Amateurfunk ist ein Hobby für jedermann, der sich gern mit den technischen Aspekten der drahtlosen Nachrichtenübertragung oder den Bräuchen anderer Länder und Kulturen beschäftigen möchte oder sich auch mal mit Gleichgesinnten zu einem gemütlichen Abend oder einer fachspezifischen Unterhaltung treffen möchte.

Unser Hobby ist völkerverbindend, kennt keine politischen Grenzen und überwindet soziale Unterschiede. Der Amateurfunk ist international anerkannt und gesetzlich geregelt (u. a. durch IARU, ITU), es gibt weltweit über 2 Millionen Funkamateure und nationale Vereinigungen in vielen Ländern. Als Experimentierfunk ist es lizensierten Funkamateuren erlaubt, eigene Funksender und Antennen zu bauen und zu verwenden oder fertige Geräte zu modifizieren. Für die Amateurfunkgenehmigung (umgangssprachlich „Lizenz“) ist der Nachweis technischer Kenntnisse nötig, die entweder im Selbststudium oder gemeinsam in Amateurfunkkursen erworben werden können.

Funkverbindungen finden auf bestimmten Frequenzbändern zwischen 100 kHz und 300 GHz statt und erlauben neben Gesprächen auch Bildübertragung, Morsetelegrafie oder digitale Betriebsarten. Nach Verbindungen in ferne Länder oder unter besonderen Umständen freut man sich auch über eine QSL-Karte als Funkkontaktbestätigung und Sammelobjekt. Funkamateure bieten immer wieder humanitäre Hilfeleistung in Katastrophenfällen durch den Aufbau von ersten Funkverbindungen. Und auch die sportliche Betätigung ist beim Funkpeilen, auch als „Fuchsjagd“ bekannt, möglich.

Der Wikipedia-Artikel über den Amateurfunkdienst enthält noch weitere Informationen.

Historische Meilensteine

1857 Heinrich Rudolf Hertz wird in Hamburg geboren.
1874 Guglielmo Marconi wird in Bologna, Italien geboren.
1886 Hertz kann als Erster elektromagnetische Wellen im Experiment erzeugen und nachweisen und gilt damit als deren Entdecker.
1895 Marconi erfindet die geerdete Sendeantenne.
1897 Marconi gelingt in England die Übertragung drahtloser Signale über mehrere Kilometer und er gründet die Marconi Wireless Telegraph Company. Weitere Telegrafenfirmen entstanden, v. a. in den USA. Die kommerziell benutzten Wellenlängen waren 200 m und länger (Mittel- und Langwelle). Kürzere Wellen wurden als für den Fernverkehr ungeeignet angesehen.
1901 Erstmalige Überbrückung des Atlantik von der Westspitze der Grafschaft Cornwall.
1909 Marconi erhält den Nobelpreis für Physik. Die ersten Privatpersonen in den USA und England erhalten eine offizielle vorläufige Sendegenehmigung.
1912 Die ersten Lizenzen für Funkamateure in den USA werden ausgegeben.
1914 Gründung der American Radio Relay League (ARRL) mit ca. 1300 Rufzeichen.
1921 Gründung der Radio Society of Great Britain (RSGB) mit ca. 150 Rufzeichen.
1923 Gründung des ersten deutschen Radioclubs (nur Rundfunkempfang).
1924 Audion-Versuchserlaubnis für Empfängerselbstbau und erste vom RPM erteilte Versuchssenderlizenzen für Funkvereine in Deutschland.
1925 Gründung der International Amateur Radio Union (IARU) in Paris.
1927 Gründung des Deutschen Sende- und Empfangsdienstes (DASD).
1929 Auf der Weltfunkkonferenz in Washington werden Amateurfunk-Frequenzen festgelegt: 160 m (1,8 MHz), 80 m (3,5 MHz), 40 m (7 MHz), 20 m (14 MHz), 10 m (28 MHz) und 5 m (60 MHz)
1933 Lizenzausgabe an die DASD-Mitglieder.
1939 Die 529 bis dahin erteilten Amateurfunklizenzen werden bei Kriegsausbruch eingezogen.
1946 Mit dem Weltnachrichtenvertrag in Atlantic City wird für Deutschland der Kennerblock DA bis DM beschlossen.
1949 Das Amateurfunkgesetz (AFuG) wird in Deutschland in Kraft gesetzt.
1950 Gründung des Deutschen Amateur-Radio-Clubs e. V. (DARC) und Aufnahme in die IARU.

Ham Spirit – Der Ehrenkodex des Funkamateurs

Ein wesentlicher Aspekt des Amateurfunks ist der Ham Spirit (engl. aus radio ham „Funkamateur“ und spirit „Geist“). Hier eine Übersetzung des englischen Originaltextes, verfasst 1928 von Paul M. Segal, W9EEA:

Der Funkamateur ist rücksichtsvoll

Er gebraucht sein drahtloses Medium wissentlich niemals so, dass die Freude anderer Amateure an ihrer Betätigung geschmälert wird.

Der Funkamateur ist loyal

Stets bietet er seine loyale Mitarbeit, seine Förderung und Unterstützung sowohl seinen Funkfreunden als auch seinem Ortsverein und seinem Club, durch den die Funkamateure repräsentiert werden.

Der Funkamateur ist fortschrittlich

Nicht nur der technische Zustand seiner Station soll auf der Höhe der Zeit sein und die Station gut gebaut und leistungsfähig sein, auch die Abwicklung des Betriebs muss über jeden Zweifel erhaben sein.

Der Funkamateur ist freundlich

Er sendet langsam und geduldig, wenn sein Partner es wünscht; freundliche Hilfe und Rat bietet er bei Anfängern; er bringt immer die Kraft zum Beistand, zur Mitarbeit und zum Verstehen der Interessen anderer auf. Dies alles gehört zum Bild des wahren Ham Spirits.

Der Funkamateur ist ausgeglichen

Der Amateurfunk ist seine Freizeitbeschäftigung. Er lässt nie zu, dass die Ausübung dieser Beschäftigung seine Pflichten seiner Familie, seinem Beruf, seiner Schule oder seiner Gemeinde gegenüber auch nur geringfügig beeinträchtigt.

Der Funkamateur ist patriotisch

Seine Funkstation und Fertigkeiten hält er stets bereit um seinem Land oder der Gemeinschaft zu dienen.